Gabriel – die Lilie

Keine Maske. Kein Umweg.

Wirkung wird höher notiert als Wahrhaftigkeit. Inszenierung ist Kompetenz und Verstellung wird als notwendige Komplexität geadelt,

Wahrhaftigkeit ist zu klar, zu ungeschützt, zu unerquicklich für alle, die zwischen Schein und Sein lieber gar nicht erst unterscheiden möchten.

Wahrhaftigkeit beginnt dort, wo das Verstellen aufhört. Nicht in der großen Geste. Nicht in jener demonstrativen Schonungslosigkeit, mit der sich Eitelkeit gern als Charakter ausgibt. Sondern in der unspektakulären Weigerung, etwas anderes zu behaupten, zu zeigen oder zu spielen, als ist.

Die Lilie ist die Form gewordene Unverfälschtheit. Sie trennt nicht Rein von Unrein wie in einer frommen Abziehbildwelt, sondern das Echte vom Gemachten, Klarheit vom Kalkül, Wahrhaftigkeit von ihrem heute so beliebten Double: der perfekt kuratierten Authentizität.

Haben wir noch Empfang?